Pflegeschüler lernen von Flüchtlingen

Flüchtlinge berichten über das Gesundheitssystem in ihren Heimatländern


Bad Windsheim – Im Rahmen eines Projekttages zwischen der Krankenpflegeschule Scheinfeld und einer Berufsintegrationsklasse für Asylbewerber und Flüchtlinge der Berufsschule Bad Windsheim interviewten am Montag sieben angehende Krankenpflegeschüler ausländische Schülerinnen und Schüler über das Gesundheitssystem in ihren Heimatländern. Die Schülerinnen und Schüler wiederum lernten das deutsche Gesundheitssystem und das Krankenhaus Bad Windsheim kennen.


„Kann ich bitte hier einziehen! Ein deutsches Krankenhaus ist ja fast wie ein Hotel!“ Schon in den ersten Minuten war klar, dass sich die Gesundheitssysteme in Syrien, in Afghanistan und im Iran vom deutschen Gesundheitssystem unterscheiden. Auch wenn viele ausländische Schüler selbst noch nicht Patient in einem Krankenhaus in ihrem Heimatland waren und auch nur selten zum Arzt gingen, konnten sie gut darüber berichten.

 

Die meisten Krankenhäuser in ihren Herkunftsländern gehören Privatpersonen und sind deshalb sehr teuer. Patienten haben in diesen nur dann etwas zum Essen, wenn ihre Angehörigen sie im Krankenhaus versorgen. In den wenigen staatlichen Krankenhäuser hingegen werden die Patienten kostenlos behandelt und mit Nahrung versorgt. Die Medikamente müssen aber auch hier selbst bezahlt werden. Eine Krankenversicherung, wie sie in Deutschland üblich ist, können sich nur Reiche leisten. Außerdem ist für die ausländischen Schüler neu, dass es in Deutschland so viele verschiedene Fachärzte gibt. Bei Augenproblemen muss man zu einem anderen Arzt wie bei Ohrenproblemen oder Zahnschmerzen, das ist für Jugendliche, die bei diesen Erkrankungen einfach zum Allgemeinmediziner gingen, schwer verständlich, da es in arabischen Ländern nur Allgemeinmediziner, Arztpraxen für Knochenerkrankungen und Arztpraxen für Krankheiten an Organen gibt. Trotzdem können die Schüler nichts Schlechtes über die medizinische Versorgung in ihrem Herkunftsland berichten.


Durch zahlreiche weitere Fragen wollten die Krankenpflege-schüler herausfinden, was sie bei der Pflege von arabischen Patienten beachten müssen. So ist es beispielsweise für die muslimischen Schüler kein Problem, wenn sie von christlichen Pflegerinnen und Pflegern gewaschen werden oder von diesen das Essen gebracht bekommen. Allerdings möchten sie aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen.

 

Darüber hinaus wurde eingehend der Zusammenhang zwischen Religion und Krankheit diskutiert. Die Schüler sehen eine Krankheit als Prüfung an, teilweise sogar als Strafe von Allah. Eine Genesung ist deshalb nach ihrer Meinung viel mehr von zahlreichen Gebeten abhängig, als vom Können des Arztes.
In einem Rundgang durch das Krankenhaus Bad Windsheim konnten die Jugendlichen sehen, wie ein Krankenzimmer in Deutschland aussieht und welche unterschiedlichen Stationen es gibt. In ihrem Heimatland gibt es meist nur zwei verschiedene Stationen – eine Geburtsstation und eine Station für alle anderen Erkrankungen. Die Schüler waren sehr erstaunt, dass es in einem Krankenhaus einen Fitnessraum und eine Cafeteria gibt.


Alle anwesenden Schüler und auch die verantwortlichen Lehrkräfte waren sich am Ende des Tages einig, dass das Projekt „Transkulturelle Pflege“ ein voller Erfolg war. Die Pflegeschüler fühlen sich nun viel besser in der Lage, arabische Patienten zu pflegen und wollen auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse einen Leitfaden erstellen, der auch anderen Krankenpflegern hilft. Für die ausländischen Schülerinnen und Schüler wiederum war der Besuch eines deutschen Krankenhauses überaus interessant. Einige Schüler zeigten sogar Interesse eine Ausbildung zum Krankenpfleger zu machen, auch wenn in ihren Heimatländern Krankenpfleger ein typischer Frauenberuf ist.