Suchtprävention in Flüchtlingsklassen

- Lehrer mussten draußen bleiben.
Migration und Suchtgefährdung DSC 7478
Die Erfahrung in der Arbeit mit Flüchtlingen zeigt, dass die besonders belastende Lebenssituation dieser Menschen auch eine Suchterkrankung fördern kann. Besonders junge Männer, die ihr Land ohne ihre Familie verlassen mussten, sind gefährdet. Ihnen fehlt der schützende Familienzusammenhalt besonders.
Viele existenzielle Probleme überlagern Suchtprobleme und erschweren effektive Hilfe. Sprachbarrieren, ein komplexes deutsches Gesundheitssystem und ein kulturell bedingt unterschiedliches Krankheitsverständnis stellen die Jugendlichen vor besondere Herausforderungen.DSC 7479

Deshalb lud die Berufsschule Neustadt die Suchthilfeberatungsstelle der Diakonie zur Präventionsarbeit in den Unterricht ein. Gerne folgten Udo Asholz und Sabrina Emmert der Bitte um Aufklärung in den drei Berufsintegrationsklassen. In drei Workshops informierten die Sozialpädagogen die jungen Asylbewerber über das Suchthilfesystem im Landkreis. In einfacher und leichter Sprachen stellten sie die Wirkung legaler und illegaler Suchtmittel vor. In einer Broschüre waren diese Informationen gut und übersichtlich zusammengefasst.

DSC 7468Auf Flip-Charts hielt man die Ergebnisse des Aufklärungsunterrichts sichtbar fest und ein Fotoprotokoll erleichtert es, den Lehrkräften im Unterricht am Thema dranzubleiben. Denn selbst konnten die Lehrer nicht daran teilnehmen. Denn die Veranstaltung war nämlich, wie das gesamte Beratungsangebot der Suchthilfe immer, streng vertraulich.
Die beste Prävention ist nach Ansicht der jungen Flüchtlinge selbst Arbeit und Ausbildung. Viel abgelehnte afghanische und äthiopische Asylbewerber verstehen nicht, dass sie trotz erfolgreicher Praktika mit Ausbildungsverträgen in den Unterkünften sinnlos rumsitzen müssen. Die Ausländerbehörde verweigert die Arbeitserlaubnis und sie müssen klagen. Diese Situation ist kaum zu ertragen. Auch die Experten befürchten, dass dabei die Gefahr in Drogenkreise zu kommen stark steigt. DSC 0369
Ein besonderer Schwerpunkt der Workshops lag deshalb darauf, die Jugendlichen niederschwellig über das Beratungsangebot aufzuklären. Nur so können die Betroffenen die Unterstützung zur Suchthilfe finden, die sie im Ernstfall benötigen.
Laut Deutscher Suchthilfestatistik hatten 2012 vor der Flüchtlingswelle16,4% der Hilfesuchenden in der ambulanten Suchthilfe und 11,9% in der stationären Rehabilitation einen Migrationshintergrund.